Wann TYPO3 passt — und wann nicht
TYPO3 lohnt sich, wenn eine Website organisatorisch komplizierter ist als technisch. Ein Unternehmen mit mehreren Marken, ein Verband mit Landesgruppen, ein Träger mit Einrichtungen und Beratungsstellen: Jede Einheit pflegt ihren Bereich, keine soll in fremden Bereichen etwas ändern können. Dafür hat TYPO3 ein Rechtesystem im Kern, mit Backend-Benutzergruppen, Seitenberechtigungen und getrennten Dateimounts. Das Diakonische Werk Oldenburg führt Einrichtungen, Angebote und Beratungsstellen unter einem Dach; der TYPO3-Auftritt bildet diese verzweigte Struktur ab, bleibt für viele Redakteure pflegbar und ist zugänglich für alle Nutzer. Ob TYPO3 passt, ist deshalb zuerst eine organisatorische Frage: Wie viele Menschen pflegen die Website, und dürfen sie unterschiedlich viel?
Der zweite Grund ist Mehrsprachigkeit, die mehr ist als eine eingeschaltete Übersetzung: eigene Sprachbäume, Fallback-Regeln, Inhalte, die es nur in einem Land gibt, Redaktionen, die in verschiedenen Sprachen arbeiten. Dazu kommen mehrere Seitenbäume in einer Installation, etwa für Marken, Standorte oder Mandanten, jeder mit eigener Domain und eigener Site-Konfiguration, aber mit gemeinsamen Inhaltselementen und einem gemeinsamen Update. Bei M&S Armaturen liegen Produkte, Nachhaltigkeit, Karriere und Service in einer mehrsprachigen Struktur, die das Unternehmen selbst pflegt. Und TYPO3 hält große, über Jahre gewachsene Seitenstrukturen aus, solange Templates und Extensions sauber getrennt bleiben. Barrierefreiheit lässt sich hier von Anfang an planen, statt sie später nachzurüsten.
Für eine Unternehmenswebsite mit überschaubarer Seitenzahl, einer Sprache und einer Person, die gelegentlich eine Meldung einstellt, ist TYPO3 überdimensioniert. Das System hat eine Lernkurve, im Backend wie in der Entwicklung. Dann empfehlen wir WordPress mit eigenem Theme, das wir ebenso bauen und betreiben: schneller fertig und im Alltag näher an dem, was kleine Teams erwarten. Die zweite Grenze ist der Shop. TYPO3 hat Shop-Extensions, aber Preisregeln, Zahlarten, Retouren und ERP-Anbindung gehören in ein Shopsystem; soll ein TYPO3-Auftritt verkaufen, koppeln wir ihn mit Shopware 6. Und ein Kampagnen-Onepager braucht keine Redaktionsstruktur, sondern etwas, das sich ohne Aufwand wieder abschalten lässt. Ein Redaktionssystem, das niemand gern öffnet, ist das teuerste von allen.
Wovon Kosten und Dauer einer TYPO3-Website abhängen
Den Preis einer TYPO3-Website bestimmen Struktur und Bestand, weniger die Seitenzahl. Struktur heißt: Wie viele Seitentypen und Inhaltselemente braucht die Redaktion, wie viele Sprachen und Seitenbäume trägt das System, wie fein sind die Redaktionsrechte abgestuft, und ist Barrierefreiheit nach EN 301 549 verlangt? Bestand heißt: Welche Inhalte kommen aus dem Altsystem mit, in welchem Zustand, und lassen sie sich automatisiert übernehmen oder nur von Hand? Dazu kommen Schnittstellen. Beim Autohaus Brüggemann — sechs Standorte von Rheine bis Rostock, acht Vertragsmarken, ein Bestand im vierstelligen Bereich — führt die TYPO3-Website alle Fahrzeuge in einer gemeinsamen Suche zusammen, gespeist aus dem Händlersystem, nicht aus der Redaktion. Viele Seiten mit wenigen Inhaltstypen sind schneller gebaut als wenige Seiten mit vielen.
Sharpness kalkuliert in Personentagen, nicht in Paketpreisen. Konzept, Templates, Inhaltselemente, Schnittstellen, Inhaltsmigration, Barrierefreiheit und Test stehen als getrennte Posten im Angebot, damit Sie sehen, wofür Sie bezahlen, und einzelne Posten verschieben oder streichen können. Eine Lizenzgebühr für TYPO3 fällt nicht an: Das System ist Open Source, Extensions stehen unter der GPL. Laufende Kosten gibt es trotzdem, und sie gehören in jedes Budget: Hosting, Wartung mit Sicherheitsupdates, die Pflege der Extensions und alle paar Jahre ein Major-Upgrade. Läuft der alte Auftritt bis zum Relaunch auf TYPO3 v12 oder älter, kann für die Übergangszeit kostenpflichtiger ELTS der TYPO3 GmbH dazukommen. Den Stundensatz und die Preise nennen wir auf Anfrage.
Für die Dauer gilt dieselbe Logik, ergänzt um einen Faktor, den nur Sie steuern: wie schnell Inhalte, Entscheidungen und Freigaben auf Ihrer Seite vorliegen. Ein TYPO3-Projekt plant man in Monaten, und häufiger als die Technik bremsen Texte, Bilder und Übersetzungen, die noch niemand geschrieben hat. Einen belastbaren Zeitplan und einen Preis nennen wir nach der Bestandsaufnahme, nicht am Telefon. Bei bestehenden Websites heißt das: ein Crawl des Altauftritts und ein Inventar der Inhaltstypen, bei TYPO3 zusätzlich Version und Extension-Liste. Bei Neubauten steht am Anfang die Klärung von Seitentypen, Sprachen und Rollen. Klar abgegrenzte Teile bieten wir zum Festpreis an. Ein Termin, der vor dieser Klärung feststeht, ist ein Wunsch, kein Zeitplan.
Wie wir TYPO3-Websites bauen
Eine TYPO3-Website entsteht bei uns als Composer-Installation. Core, Extensions und eigene Pakete sind mit Versionen festgehalten, und jede Umgebung — Entwicklung, Staging, Live — lässt sich aus derselben Beschreibung aufbauen. Die Site-Konfiguration mit Domains, Sprachen und Fallback-Regeln liegt als Datei im Projekt; Site Sets, die es seit TYPO3 v13 gibt, bündeln TypoScript und Einstellungen je Site. Damit liegt die Konfiguration in Git und nicht verstreut in Datenbankfeldern des Backends. Das klingt nach Entwicklerkomfort, ist aber eine Betriebsfrage: Was im Repository steht, lässt sich vergleichen, prüfen und zurückdrehen. Was nur in der Datenbank steht, findet beim nächsten Upgrade jemand zufällig.
Inhaltselemente bauen wir für den Inhalt, nicht für das Layout. Statt eines generischen Baukastens, in dem jedes Element alles kann, entstehen eigene Elemente mit der Extension Content Blocks oder mit eigenen Datenstrukturen über TCA, ausgegeben über Fluid-Templates. Ein Ansprechpartner hat Name, Funktion, Telefon und Foto — genau diese Felder sieht die Redaktion, nicht Dutzende Layoutoptionen. Bei Eschen Nutzfahrzeuge ist der Fahrzeugbestand als strukturierte Datensätze angelegt, redaktionell pflegbar und mobil nutzbar; bei Manotura sind Sortiment und Anwendungsfälle strukturiert statt als Fließtext abgelegt. Auf TYPO3 v14 werden Plugins zudem von Anfang an als eigener Inhaltstyp registriert. Die list_type-Migration, an der viele Bestandssysteme in v14 hängen, fällt bei einem Neubau gar nicht erst an.
Fremd-Extensions setzen wir so sparsam wie möglich ein. Für vieles gibt es gepflegte Extensions im TER, und eine Eigenentwicklung daneben wäre Verschwendung. Aber jede installierte Extension ist eine Position, die bei jedem Major-Upgrade mitgeprüft wird: Gibt es ein Release für die neue Version, hat sie noch einen Betreuer, wird sie überhaupt genutzt? Eigene Extensions entwickeln wir gegen die vorgesehenen Schnittstellen von TYPO3 — Extbase, PSR-14-Events, Symfony Dependency Injection, Backend-Module, Symfony-Console-Befehle für Importe. Sharpness hat seit 1999 mehr als 250 Projekte umgesetzt; der Code liegt in einem Git-Repository, das Ihnen gehört, und geht über ein Staging-System live. Der Grund für all das ist das nächste Major-Upgrade: Eine Website, die nach den Konventionen von TYPO3 gebaut ist, macht daraus ein überschaubares Projekt. Eine, die gegen sie gebaut ist, einen Neubau.
Relaunch: aus altem TYPO3 oder von einem anderen CMS
Läuft der bisherige Auftritt auf einem älteren TYPO3, steht vor dem Relaunch eine Abwägung: Upgrade oder Neubau mit Datenübernahme. Den Ausschlag geben Ausgangsversion, Zahl der Eigenentwicklungen, Zustand des Frontends und die Frage, ob die Informationsarchitektur noch trägt. Ab TYPO3 v8 oder v9 ist ein Upgrade auf v14 technisch ohnehin ein Neuaufbau: Der Code entsteht neu, übernommen werden Inhalte, Seitenstruktur, Dateien und URLs. Sollen zusätzlich das Design ersetzt und die Struktur aufgeräumt werden, ist der Neubau meist die günstigere Antwort. Ist die Struktur gut und nur die Technik alt, reicht das Upgrade. In unserer Einschätzung stehen beide Wege mit beiden Zahlen nebeneinander. Die Schwellen im Einzelnen beschreiben wir auf der Seite zum TYPO3-Update.
Kommt der Auftritt aus WordPress oder einem anderen CMS, ist die Inhaltsmigration der größte Einzelposten. Inhalte, die bisher als Fließtext mit eingebetteten Bildern vorlagen, werden in Inhaltselemente übersetzt; was sich sauber zuordnen lässt, übernimmt ein Import, der Rest wird von Hand umgezogen und dabei aufgeräumt. Parallel entsteht die Weiterleitungsliste: aus einem Crawl des kompletten Altauftritts — Adressen, Titel, Texte —, nicht aus dem Gedächtnis. Jede alte Adresse, die Google kennt, leitet per 301 auf ihr inhaltliches Gegenstück. Die Liste wird vor dem Go-live auf dem Staging-System geprüft; danach werten wir Search Console und Logfiles aus und schließen verbliebene 404-Fehler. Eine Rankinggarantie gibt es nicht. Die Weiterleitungen sorgen dafür, dass Sie nicht verlieren, was Sie schon haben.
Für Barrierefreiheit ist ein Relaunch der günstigste Zeitpunkt. Öffentliche Stellen sind schon länger dazu verpflichtet, auf Bundesebene nach der BITV 2.0; seit dem 28. Juni 2025 erfasst das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zudem Verbraucherangebote im elektronischen Geschäftsverkehr. Geprüft wird nach der EN 301 549, also nach WCAG 2.1 in Stufe AA. Reines B2B fällt grundsätzlich nicht unter das BFSG, für Dienstleistungen gilt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen; die verbindliche Einstufung im Einzelfall gehört zu einer Anwältin oder einem Anwalt. Technisch heißt das: Kontraste im Farbsystem festgelegt, Überschriften in sauberer Reihenfolge, jede Funktion per Tastatur bedienbar, Formulare mit Beschriftung. Nachrüsten geht auch — bei der Bünting-Gruppe haben wir die bestehende TYPO3-Konzernwebsite auf BFSG-Niveau gehoben, mit Sprungmarken, Kontrastmodus, Textgrößen und durchgehender Tastaturbedienung. Eingeplant ist es trotzdem günstiger als nachgerüstet.
Nach dem Go-live: Betrieb und Wartung
Eine TYPO3-Website braucht nach dem Go-live einen Unterbau, der mitgepflegt wird: PHP, Datenbank, Webserver, Backups, Staging. Bei Sharpness läuft das auf eigenen Servern, einem Proxmox-PVE-Cluster im Hetzner-Rechenzentrum Falkenstein in Deutschland, jede Kundenumgebung für sich und mit eigenem Staging-System, auf dem jedes Update zuerst landet. Auch die Fachhandels-Website von Manotura wird so betrieben. TYPO3 v14 verlangt PHP ab 8.2, Composer ab 2.1 und MariaDB ab 10.4.3 oder MySQL ab 8.0.17. Weil PHP 8.2 am 31. Dezember 2026 sein Lebensende erreicht, starten neue Auftritte bei uns gleich auf PHP 8.3 oder 8.4 — sonst stünde die nächste Migration kurz nach dem Go-live an. Wer baut, kennt das System auch im Betrieb am besten.
Nach dem Go-live betreiben und warten wir die Website mit einer Service-Level-Vereinbarung: 24, 8 oder 4 Stunden Reaktionszeit, für ein Jahr gebucht; die Arbeit rechnen wir nach Aufwand oder im vereinbarten Rahmen ab. Ohne SLA bearbeiten wir Anfragen in der Reihenfolge des Eingangs innerhalb von 48 Stunden in unseren Geschäftszeiten Mo–Do 9:00–16:00 Uhr, Fr 9:00–13:00 Uhr; Rufbereitschaft außerhalb dieser Zeiten gibt es nur mit SLA. Zur Wartung gehören die Maintenance-Releases, die etwa alle vier Wochen erscheinen, und Sicherheitsreleases, wann immer sie nötig sind — jedes erst auf Staging getestet, dann eingespielt. Dazu kommen die Pflege der Extensions, PHP und Datenbank auf unterstütztem Stand und Backups. Was die laufende Wartung im Einzelnen umfasst, beschreibt die Seite zur TYPO3-Wartung. Eine Website, für die nach dem Go-live niemand zuständig ist, veraltet schneller, als sie gebaut wurde.
Der Quellcode gehört Ihnen und liegt in einem Git-Repository, die Domain läuft immer auf Ihren Namen, Lizenzen und Accounts laufen auf Ihr Unternehmen. Das ist bei uns Standard, kein Verhandlungsergebnis. Mit dem Go-live beginnt außerdem die Uhr bis zum nächsten Major-Upgrade: Der kostenlose Support für TYPO3 v14 läuft bis zum 30. Juni 2029, für v13 bis zum 31. Dezember 2027. Eine Website, die nach den Konventionen gebaut ist, nimmt diesen Schritt als Projekt von Wochen; eine, die gegen TYPO3 arbeitet, als Neubau. Weil wir Ihre Website selbst betreiben, planen wir das Upgrade rechtzeitig ein, statt es an einem Fristende zu entdecken. Gebaut wird deshalb vom ersten Tag an mit Blick auf den Tag, an dem die nächste Version erscheint.